Ich wache in einem großen Bett mit weißen Laken in einem sonnendurchfluteten Zimmer auf. Mein Kopf ruht auf einer behaarten Brust, die sich sanft hebt und senkt. Muskulöse Arme umschlingen mich.
Ich blinzele. Kann es wirklich sein, dass er dieses Mal nicht abgehauen ist? Oder hat ihn der Sexmarathon der letzten Nacht so ausgelaugt, dass er den passenden Zeitpunkt verpasst hat, um zu gehen?
Dann fällt es mir wie Schuppen von den Augen. Verdammt! Wir sind in SEINEM Bett! Nicht er ist derjenige, der den passenden Zeitpunkt verpasst hat, sondern ich!
Scheiße! Ich bringe es nicht übers Herz, aus diesem warmen Kokon der Geborgenheit zu verschwinden. Ein paar Minuten noch, nur ein paar Minuten …
Ich überlege, wie Jack reagieren wird, wenn er merkt, dass ich die Nacht in seinem Bett verbracht habe. Mindestens panisch. Vermutlich wird er mich rausschmeißen. Vielleicht ist es also sinnvoller, diese Nacht in all ihrer glorreichen Erinnerung zu behalten und abzuhauen, bevor die Erinnerung getrübt wird. Die Erinnerung an all die schönen Sachen, die er gesagt hat. Die Liebesbekundungen, die Koseworte, die zufriedenen Seufzer, die Versprechungen.
Schweren Herzens ziehe ich mein Bein zwischen den seinen hervor. Dabei berühre ich seinen Schwanz, der wundersamerweise schon wieder hart ist. Einen kurzen Moment zögere ich. Ob wohl noch eine Abschiedsrunde drin ist?
Aber nein, mein Körper ist wund und jeder Muskel tut weh.
Vorsichtig schlüpfe ich aus seiner Umarmung und klettere aus dem Bett. Unsere Kleidung liegt auf dem Boden verstreut und ich tapse barfuß durch den Raum, auf der Suche nach allem, was mir gehört. Mit spitzen Fingern hebe ich ein achtlos beiseite geworfenes Kondom auf, das auf meinen Boxerbriefs liegt, bevor ich sie anziehe, dann tapse ich weiter zur meiner Jeans.
Ich stecke gerade mit einem Bein darin, das andere angehoben, um in das zweite Hosenbein zu steigen, als Jack mit rauer Stimme vom Bett murmelt: „Ruby? Was machst du da?“
Oh scheiße!
Vor Schreck verheddere ich mich, kippe um und falle im Zeitlupentempo neben dem Bett auf den Boden.
„Ich … sorry, ich wollte dich nicht aufwecken. Keine Sorge, ich bin gleich weg!“
„Wieso weg? Hast du dir weh getan?“ Jacks muskulöse, dunkel behaarte Waden tauchen in meinem Blickfeld auf. Oh Gott, hat er schöne Füße! Warum ist mir noch nie aufgefallen, wie schön seine Füße sind?
„Ruby!“, sagt er rau. „Wo willst du hin?“
„Ich bin gleich weg!“, schnaufe ich, während ich versuche, mich aufzusetzen. „Es tut mir leid, ich bin eingeschlafen. Ich … es kommt nie wieder … es tut mir leid!“
Er kniet sich vor mich, sein nur noch halbharter Schwanz direkt auf meiner Augenhöhe. Ich schlucke. Konzentrier dich, Ruben!
Jacks Hände greifen sanft nach mir. Ernst und besorgt sieht er mir in die Augen. Dieser Blick nimmt mich sogar mehr gefangen als der Blick auf seinen Schwanz.
„Ruben“, sagt er sanft. „Ich möchte nicht, dass du gehst. Habe ich mich gestern nicht klar genug ausgedrückt? Ich möchte, dass du neben mir einschläfst und neben mir aufwachst, wenn möglich jeden Tag.“ Er stockt. „Oder willst du das etwa doch nicht?“
Mit offenem Mund starre ich ihn an.
„Ist alles in Ordnung?“, fragt Jack. „Hast du dir gerade doch weh getan?“
Stumm schüttele ich den Kopf.
„Wer bist du und was haben sie mit Jack gemacht?“, frage ich.
„Was …?“, fragt Jack verwirrt.
„Es ist schon ein kleines bisschen schwierig zu glauben, dass du auf einmal einen solchen Sinneswandel hast. Du hast mich wie Dreck behandelt, Jack! Du hast gesagt, dass ich mich mit anderen Männern treffen soll!“
Jack öffnet und schließt den Mund, aber kein Ton kommt heraus.
„Wie soll ich dir jetzt plötzlich glauben, dass du mich um dich haben willst? Dass du nicht nur Scheiße erzählt hast? Wie soll ich dir je vertrauen, wenn du mit einer der Drag Queens sprichst oder mit einem Kellner? Nenn mir einen, mit dem du nicht geschlafen hast! Wie stellst du dir das vor, so von jetzt auf gleich?!“
„Aber … gestern Nacht hast du …“
„Gestern Nacht war ich betrunken und hatte mit Thia Joints geraucht. Ich hatte mit einem Mann rumgemacht, den du vertrieben hast und war geil. Ich habe nicht nachgedacht. Du warst da, wir hatten Sex.“
„Wir haben Liebe gemacht“, beharrt Jack.
Ich sehe ihn an und sehe die Traurigkeit in seinen Augen. Die Ernsthaftigkeit und Verletztheit. Also gebe ich es zu.
„Ja, wir haben Liebe gemacht. Denn egal, was für ein Arsch du bist, aus irgendeinem beschissenen Grund liebe ich dich. Aber das heißt nicht …“
„Das heißt nicht was?“, flüstert Jack.
„Das heißt nicht, dass ich einfach so vergessen kann, was du gemacht hast“, sage ich fest.
„Heißt das, dass du uns keine Chance gibst?“, fragt Jack vorsichtig.
Ich denke einen Moment darüber nach, bevor ich den Kopf schüttele.
„Nein. Wobei die Chance momentan ziemlich klein ist. Aber ich gebe dir die Chance, mir zu beweisen, dass du es ernst meinst.“
Jack atmet erleichtert auf und zieht mich stürmisch an seine nackte Brust.
„Das ist alles, was ich brauche, Ruby.“ Er drückt mir einen Kuss ins Haar.
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